Regen, Pakete und ein heimlicher Abend

Nachtrag zu gestern: Nachdem ich den Eintrag fertig hatte, klingelte mein Handy noch einmal – ein Kollege aus der Nachtschicht fragte spontan, ob ich morgen seinen Frühdienst übernehmen könnte, weil er krank geworden ist. Ich sagte zu, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob das eine gute Idee war.

Heute Morgen wurde ich spät wach, weil ich wieder mal bis weit nach Mitternacht aufgeblieben war. Draußen regnete es schon, als ich aus dem Bett stieg und in meine dunkelblaue Jeans und das weiße Basic-T-Shirt schlüpfte. Dazu die weißen Sneaker und die schwarze Jeansjacke. Ich fühlte mich schwer und träge, 98 Kilo auf 1,68 m machen sich bemerkbar, wenn man die ganze Nacht nur Fast Food gegessen hat. Im dritten Stock knarrten die alten Stufen wie immer, während ich nach unten ging und den Kurier-Van startete.

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Der Tag war typisch für meinen Job: von Kröpcke aus zig Pakete in ganz Hannover ausgeliefert, immer wieder in den Van geklettert, bei 10 bis 14 Grad und ständigem Nieselregen. Die Straßen waren nass, die Kunden meist genervt. Gegen Mittag habe ich bei einem Edeka in der Lister Meile kurz etwas zum Essen geholt – einen Beutel mit Snacks und einem Fertig-Sandwich für knapp 12 Euro. Am Nachmittag wurde es etwas ruhiger, und ich konnte an der einen oder anderen Stelle kurz Luft holen. Trotzdem war ich abends völlig erledigt, als ich den Van zurückbrachte und mit der U-Bahn nach Hause fuhr.

Zu Hause angekommen, war es schon dunkel. Ich habe erst mal geduscht und mich dann entschieden, heute doch noch als Franziska Zeit für mich zu haben. Aus dem Koffer unter dem Bett holte ich die Sachen hervor: den hautfarbenen Gaff-Slip, der alles schön flach drückte, den schwarzen T-Shirt-BH mit den Silikon-Pads Cup D, dazu die passenden Silikonbrustformen. Darüber das schwarze Spitzenkleid, das knapp über dem Knie endet, die schwarzen 20-Den-Strumpfhosen und die schwarzen Pumps mit 8 cm Absatz. Die schwarze Langhaar-Perücke, etwas Foundation gegen den Bartschatten, Concealer, Wimperntusche und der matte rote Lippenstift. Als ich mich im Spiegel sah, fühlte es sich wieder aufregend und befreiend an – fast wie eine andere Person, die niemand kannte.

Ich bin nicht rausgegangen, nur in der Wohnung geblieben, habe ein bisschen in den Kleiderschrank geräumt und später noch eine Serie geschaut. Es war schön, einfach nur ich selbst als Franziska zu sein, ohne dass jemand etwas merkte. Gegen 22:30 habe ich alles wieder versteckt, die Perücke abgenommen und mich in mein graues Baumwoll-Nachthemd gelegt. Morgen früh muss ich ja früher raus wegen dem Tausch.

Der Tag war anstrengend, aber der Abend hat wieder etwas ausgeglichen. Ich freue mich schon auf den Urlaub Ende Oktober, auch wenn er noch ein paar Wochen hin ist.

– geschrieben am Freitagabend, Liebes Tagebuch, Freitag, der 9. Oktober

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💬 Bella fragt: Wie findest du die Entscheidung, den Frühdienst zu übernehmen, obwohl du schon müde warst?

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