Ein ruhiger Sonntag in Hannover
Ich bin heute erst gegen halb elf aufgewacht, typisch für meine Nachteulen-Natur. Draußen regnete es leicht, und die knarzenden Stufen im Treppenhaus hatten mich schon beim Aufstehen an die Altbauwohnung erinnert. Nach dem Duschen zog ich erstmal eine dunkle Jeans und ein graues Langarmshirt an, dazu meine weißen Sneaker. Es war Sonntag, also kein Kurierdienst, und ich nutzte die Zeit, um die Wohnung ein bisschen aufzuräumen – Chaos ist bei mir ja Standard.
Gegen Mittag wurde mir klar, dass Shampoo und Rasiergel fast leer waren. Ich ging zur Tankstelle an der Hildesheimer Straße, wo ich ein paar Drogerieartikel kaufte: neues Duschgel, Wimperntusche und Nagellack. Das hat insgesamt rund 20 Euro gekostet. Danach aß ich Fast Food zum Mittag – ein paar Burger vom Drive-in, wie es sich für eine Naschkatze gehört. Den Nachmittag verbrachte ich mit ein bisschen Netflix und Gedanken an meinen bevorstehenden Urlaub auf Mallorca.
Abends, als es schon dunkel wurde, holte ich den Koffer unter dem Bett hervor. Ich verwandelte mich in Franziska: den hautfarbenen Gaff-Slip, den schwarzen Spitzen-String, die Silikonbrustformen mit dem passenden BH, eine schwarze 20-Den-Strumpfhose, das rote Sommerkleid, die schwarzen Pumps mit 8 cm Absatz, die schwarze Perücke und Make-up – Foundation, Concealer, roten Lippenstift und Wimperntusche. Es fühlte sich sinnlich und aufregend an, wie immer. Ich ging kurz spazieren, wurde wie üblich nicht erkannt, und kehrte gegen 20 Uhr zurück. Nun sitze ich hier, schreibe und freue mich auf den Schlaf.
– geschrieben am Sonntagabend, Liebes Tagebuch, Sonntag, der 11. Oktober
