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Katzenohren in der falschen Wohnung

6 Min. Lesezeit2 Kommentare
Ein 29-jähriger Mann mit quadratischem Gesicht, braunen Augen, kurzem schwarzem Haar, gebräunter Haut und muskulösem Körperbau in schwarzem Rock, Bluse mit Katzenohren und leichten Strumpfhosen steht
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Markus schloss die Tür seiner Wohnung hinter sich und atmete einmal tief durch. Das Kostüm war schlicht, aber genau das Richtige für die Halloween-Party: ein einfacher schwarzer Rock, der knapp über die Knie reichte, dazu eine weite Bluse aus weichem Baumwollstoff, auf deren Kragen und Schultern winzige Katzenohren aufgestickt waren. Darunter trug er leichte Strumpfhosen, die seine Beine nur zart schimmerten. Er hatte sich nicht mehr Make-up aufgelegt als ein wenig Lipgloss und einen Hauch Wimperntusche. Es fühlte sich befreiend an, so loszuziehen.

Im Treppenhaus stieg er zwei Stockwerke zu hoch. Die Zahlen auf den Türen verschwammen im Dämmerlicht, und als er an der vierten Klingel drückte, erwartete er das vertraute Stimmengewirr seiner Freunde. Stattdessen öffnete eine Frau um die sechzig. Frau Berger trug eine Kittelschürze mit kleinen Herbstblättern und hielt einen halb geschnitzten Kürbis in der Hand. Ihr Gesicht hellte sich auf.

„Endlich da, mein Liebes! Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr. Die Kinder sind gleich hier, und ich schaff das alles allein nicht.“

Markus stockte der Atem. Überraschung und eine leichte Verlegenheit krochen ihm in den Nacken. Er wollte schon erklären, dass er hier falsch sei, doch Frau Berger lächelte so herzlich und unbeschwert, dass er zögerte. Der Duft nach frischem Kürbisfleisch und warmem Wachs von Teelichtern zog aus der Wohnung. Irgendetwas an der ruhigen, einladenden Atmosphäre hielt ihn.

„Komm doch rein, wir haben noch Zeit. Die kleinen Finger helfen später beim Aushöhlen, aber bis dahin schnitzen wir schon mal vor. Deine Katzenohren gefallen mir übrigens sehr.“

Markus trat über die Schwelle. Seine Gedanken wirbelten kurz durcheinander, dann entschied er sich, erst einmal zu bleiben. Die Verwechslung war zu harmlos, die Stimmung zu freundlich, um sofort alles zu zerstören. Frau Berger stellte den Kürbis auf den Küchentisch, schob ihm ein Messer mit runder Klinge zu und deutete auf den Stapel kleiner Kerzen.

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„Du nimmst den hier, ich mache den nächsten. Erzähl mir doch, was du in letzter Zeit so erlebt hast.“

Kürbisse und Katzenohren

Markus setzte sich an den runden Küchentisch, auf dessen Platte bereits ein Häufchen orangefarbener Kerne und faseriger Stränge lag. Der Duft von frischem Kürbisfleisch mischte sich mit dem warmen Wachs der Teelichter, die in kleinen Glasschalen flackerten und weiche Schatten an die gelb getünchte Wand warfen. Frau Berger schob ihm einen weiteren Kürbis zu, dessen Schale bereits angeritzt war. Mit dem runden Messer schnitt er vorsichtig die erste Öffnung aus, spürte das klebrige Innere an seinen Fingern und lächelte, als ein Tropfen Saft über seine Handfläche lief.

„Letzte Woche hatte ich in der Firma einen Termin, bei dem alle ernst blieben, bis plötzlich die Präsentation mit Katzenbildern anstelle der Diagramme startete“, begann er und lachte leise. Frau Berger kicherte, während sie ihr eigenes Gemüse drehte. „Die Gesichter der Kollegen waren unschlagbar. Einer hat sogar seinen Kaffee verschüttet.“ Ihre Stimmen füllten den Raum, und das warme Licht ließ die Katzenohren auf seiner Bluse leicht schimmern.

Er bohrte tiefer in den Kürbis, zog eine Handvoll glitschiger Fasern heraus und legte sie beiseite. Plötzlich rutschte der halb ausgehöhlte Kürbis auf der glatten Tischplatte weg, rollte zur Seite und landete mit einem dumpfen Laut vor Frau Bergers Schürze. Sie stieß einen überraschten Laut aus, griff danach, doch der Kürbis drehte sich noch einmal und hinterließ eine Spur klebriger Kerne auf dem Holz. Beide lachten, Markus mit hochrotem Gesicht, während er nach einem Tuch tastete.

„Deine Hände sind wirklich geschickt“, sagte Frau Berger anerkennend und wischte den Tisch ab. „So präzise und ruhig. Die kleinen werden sich freuen.“ Markus spürte, wie die anfängliche Spannung aus seinen Schultern wich. Der Duft nach Kürbis, das warme Licht und die ungezwungene Unterhaltung ließen ihn den Moment einfach genießen. Er griff nach dem nächsten Stück und erzählte weiter von einem verpatzten Umzug, bei dem ein Schrank im Treppenhaus stecken blieb. Draußen wurde es langsam dunkler, doch am Tisch blieb alles hell und leicht.

Die echte Enkelin klingelt

Es klingelte an der Tür, ein fröhliches, mehrfaches Läuten, das durch den Flur hallte. Frau Berger wischte sich die Hände an der Schürze ab und stand auf, während Markus den letzten Kürbis beiseitestellte. „Das werden die Kleinen sein“, sagte sie mit einem Lächeln und öffnete.

Vor der Tür stand eine junge Frau von vielleicht fünfundzwanzig Jahren, in einem schlichten Mantel und mit einem Korb voller Äpfel in der Hand. Ihre dunklen Haare waren zu einem lockeren Zopf gebunden, und sie blickte erst freundlich, dann überrascht, als sie Markus hinter ihrer Großmutter entdeckte. Die Katzenohren auf seiner Bluse ragten deutlich sichtbar über seinem Kopf, und neben der echten Enkelin wirkte sein Kostüm plötzlich doppelt so auffällig.

Für einen Moment herrschte Stille. Dann brach lautes Lachen aus. Die Enkelin kicherte zuerst, dann lachte Frau Berger hell auf, und schließlich musste auch Markus mit einstimmen, während er sich die klebrigen Finger an einem Tuch abwischte. „Oh nein, ich habe dich tatsächlich für Lisa gehalten“, sagte Frau Berger und tupfte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Die Katzenohren haben mich völlig getäuscht!“

Lisa stellte den Korb ab und reichte Markus die Hand. „Willkommen im Club der Verkleideten“, meinte sie augenzwinkernd. „Ich hoffe, Oma hat dich nicht zu viel Kürbis schneiden lassen.“ Markus spürte, wie die Wärme in seinem Gesicht stieg, doch es war ein angenehmes Gefühl, keine peinliche Hitze. Die drei standen noch einen Augenblick im Flur, erzählten kurz von der Verwechslung und lachten erneut, als der halb verrutschte Kürbis auf dem Tisch erwähnt wurde.

Frau Berger drückte Markus kurz die Hand. „Danke für die Hilfe. Du hast uns wirklich gerettet. Ich wünsche dir eine zauberhafte Party – und viel Spaß mit deinen Freunden.“ Markus nickte, dankte ihr für den unvergesslichen Abend und schlüpfte in seine Jacke. Draußen war es inzwischen richtig dunkel geworden, die Straßenlaternen warfen weiche Lichtkreise auf den Gehweg. Mit einem warmen Lächeln im Gesicht ging er die Treppe hinunter, spürte die leichte Spannung in den Schultern endgültig verschwinden und freute sich auf die echte Feier, bei der er nun mit neuem Schwung ankommen würde. Die Katzenohren wackelten bei jedem Schritt, und er fühlte sich leichter als zuvor.

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2 Kommentare

  1. Die Handlung der Geschichte hat mich durch ihre warme Natürlichkeit angesprochen. Alles fühlte sich menschlich und ungezwungen an, auch wenn nichts geplant war. Besonders das herzliche Lachen am Ende hat mir sehr gefallen.

    1. Ralf, dieses herzliche Lachen am Ende hat die warme Natürlichkeit der Szene noch einmal so lebendig gemacht. Es freut mich, dass genau das bei dir hängen geblieben ist 💕

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💬 Bella fragt: Wie hättest du dich an Markus' Stelle gefühlt, als plötzlich die echte Enkelin vor der Tür stand?

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