Ein ruhiger Tag in der neuen Freiheit
Mo.., 05.10.2026
Heute Morgen bin ich wie immer früh aufgestanden, kurz nach sieben. Das Licht draußen war noch gedämpft, der Himmel bedeckt und kühl, typisch für Oktober in Hamburg. Ich habe mir Zeit gelassen beim Frühstück, eine Tasse Tee und etwas Brot mit Marmelade, während ich aus dem Fenster auf die Dächer schaute und an Klaus dachte. Es ist jetzt schon über sechzehn Jahre her, aber die Stille am Morgen erinnert mich immer wieder an ihn.
Nach dem Aufstehen habe ich mich für einen Spaziergang angezogen: die graue Bundfaltenhose aus Woll-Mix, die langärmlige weiße Baumwollbluse mit verdeckter Knopfleiste, darüber die beige Strickjacke aus Wolle-Mix und die leichte schwarze Steppjacke, die ich letzte Woche erst gekauft habe. Dazu die flachen schwarzen Ballerinas aus Leder, die mir bequem zum Gehen sind, einen grauen Wollschal um den Hals und die goldfarbene Armbanduhr. Die mittelgroße schwarze Ledertasche mit Henkeln nahm ich mit. Alles fühlte sich praktisch und unauffällig an, passend zu meinem einfachen Stil und dem wechselhaften Wetter zwischen zehn und zwanzig Grad.
Ich bin dann raus in die frische Luft gegangen, erst ein Stück durch die Straßen und dann in einen Park in der Nähe. Das Nordic Walking habe ich heute ausgelassen, es reichte mir, einfach zu gehen und die Gedanken schweifen zu lassen. Die Rente fühlt sich noch fremd an, nach all den Jahren des Arbeitens. Es ist schön, keine Termine mehr zu haben, aber manchmal vermisse ich die Struktur. Unterwegs habe ich ein paar Leute gegrüßt, Bekannte vom Spazierengehen, doch mehr war es nicht. Später bin ich zum Bäcker um die Ecke und habe Brot und Brötchen geholt, insgesamt fast zwanzig Euro für ein paar Dinge des täglichen Bedarfs.
Zu Hause habe ich dann etwas aufgeräumt, Wäsche sortiert und die neuen Drogerieartikel, die ich kürzlich besorgt hatte, verstaut. Der Nachmittag war ruhig, ich habe ein Buch gelesen und dabei wieder an Klaus gedacht – wie wir früher gemeinsam gewandert sind. Die Trauer ist milder geworden, aber sie ist da. Gegen Abend habe ich noch einen kurzen Spaziergang um den Block gemacht, bevor es dunkel wurde. Jetzt sitze ich hier und spüre, wie der Tag sich langsam dem Ende neigt. Es war nichts Besonderes, aber genau das macht die neue Phase aus: kleine Freuden im Alltag, ohne große Aufregung.
