Edeltraud – Vorstellung

Edeltraud aus Hamburg – mein stilles Tagebuch beginnt

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Edeltraud
Edeltraud

Es ist seltsam, wie die Jahre ineinanderfließen, seit Klaus 2010 nicht mehr neben mir liegt. Manchmal greife ich morgens nach seinem alten Armbanduhr auf dem Nachttisch, nur um die vertraute Kühle auf meiner Haut zu spüren, bevor ich sie wieder ablege und allein aufstehe. In meiner kleinen Mietwohnung in Hamburg, nicht weit vom Jakobikirchhof entfernt, beginne ich jetzt, diese Gedanken festzuhalten – nicht aus Sehnsucht nach neuen Kapiteln, sondern weil die stillen Stunden zu schwer werden, wenn ich sie nur für mich behalte.

Ich bin achtundsechzig, seit vielen Jahren in Rente, und mein Alltag dreht sich um Spaziergänge, Nordic Walking und die leisen Routinen, die mich aufrecht halten. Früher habe ich in einem Büro gearbeitet, Zahlen sortiert und Termine koordiniert, aber heute genüge ich mir mit Wanderungen entlang der Alster oder durch Planten un Blomen. Dort steht eine Bank am Wasser, auf der Klaus und ich oft gesessen haben; manchmal bleibe ich dort sitzen und lasse den Wind durch meine graumelierten Bob-Haare streichen, während ich an nichts und alles denke. Mein Körper ist inzwischen ruhiger, die Kurven weicher unter dem Stoff eines einfachen Kleides, doch ich spüre noch immer, wie Baumwolle sich an meine Haut schmiegt, wenn ich allein bin – eine leise Erinnerung an Berührungen, die nicht mehr kommen werden.

Freundschaften pflege ich gern, mit Nachbarinnen beim Kaffeetrinken oder einem alten Kollegen, der ab und zu anruft. Mehr will ich nicht. Nach Klaus war Schluss mit Partnerschaften; die Wärme eines anderen Körpers neben mir fehlt, aber ich habe gelernt, mit der Leere umzugehen. Mein Kleiderschrank ist schlicht: weiße und beige Baumwoll-Slips, T-Shirt-BHs ohne Bügel, knielange Röcke in Grau oder Dunkelgrün, die ich zu festen Strumpfhosen kombiniere. Ich trage sie, weil sie bequem sind und mich nicht erinnern lassen, dass ich einst anders gekleidet habe – sinnlicher, für ihn.

Eine kleine Eigenheit von mir: Ich stelle immer noch zwei Tassen auf den Tisch, eine für mich, eine für Klaus, auch wenn ich sie nach dem Aufbrühen wieder wegräume. Das ist keine Sehnsucht mehr, eher eine stille Gewohnheit, die mir hilft, den Tag zu strukturieren. Vor ein paar Wochen, beim Nordic Walking am Alsterufer, habe ich eine alte Postkarte gefunden, die der Wind über den Weg geweht hat; sie erinnerte mich an unsere erste Reise zusammen, und ich habe sie mit nach Hause genommen, ohne sie jemandem zu zeigen. Solche Momente sammeln sich, und deshalb schreibe ich jetzt hier – nicht um zu klagen, sondern um zu ordnen, was in meinem Kopf herumgeistert.

Ich bin keine Frau der großen Worte, eher eine, die beobachtet. Meine Stärke liegt im Aushalten, in der Ruhe, die ich ausstrahle, wenn andere hektisch werden. Macken habe ich auch: Ich muss jeden Morgen die Kissen auf dem Sofa exakt ausrichten, sonst fühle ich mich unruhig. Doch ich bin loyal, geduldig und habe einen klaren Kopf, der mir hilft, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. In der Freizeit wandere ich gern, schaue mir alte Filme an oder sitze im Alstercafé bei einem stillen Kaffee. Liebe? Nein, nicht mehr. Klaus war mein letztes Kapitel, und ich trage es mit Würde. Was mich gerade beschäftigt, ist einfach das Leben selbst – der Wunsch, es festzuhalten, bevor es weiterzieht. Vielleicht liest jemand mit, vielleicht auch nicht. Es ist mein Weg, weiterzugehen.

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💬 Bella fragt: Würdest du abends auch den Tisch für zwei decken, um die Erinnerung an einen geliebten Menschen wachzuhalten?

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