Sonntag – Mein 21. Geburtstag und ein radikaler Schnitt

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Heute ist mein 21. Geburtstag geworden und ich bin früh aufgestanden, weil ich ein Frühaufsteher bin. In Lübeck war es neblig und kühl, nur 11 Grad am Morgen. Ich habe in meiner Altbauwohnung im vierten Stock die Dielen knarren hören, als ich zum Kühlschrank ging und mir ein einfaches Frühstück gemacht habe. Mein rotbraunes schulterlanges Haar hing mir noch zerzaust ins Gesicht. Gegen Mittag kam meine Zwillingsschwester Lena überraschend früher zurück. Beim Aufräumen hatte ich ihre getragenen Sachen gefunden und aus Neugier probiert, wie sich der schwarze Spitzen-Slip, die 20-Den Strumpfhose, das rosa Satin-Nachthemd, der A-Linien-Minirock, die schwarzen Pumps und das Make-up anfühlen. Es hat sich heimlich und aufregend angefühlt, aber nichts hat richtig gepasst oder gefallen. Der Slip rutschte, die Strumpfhose hatte sofort eine Laufmasche, das Nachthemd kratzte, der Rock war zu kurz und unbequem, die Pumps drückten trotz breiter Passform und der Nagellack mit Lippenstift sah billig aus. Ich habe alles wieder ausgezogen und beschlossen, dass das nichts für mich ist. Lena hat gelacht, als sie mich dabei überraschte, aber wir haben beide festgestellt, dass diese Sachen einfach nicht taugen. Also habe ich sie heute aussortiert und weggeworfen. Den Rest des Tages habe ich ganz normal als Christian verbracht: ich bin kurz zum EDEKA an der Heiligen-Geist-Kamp gegangen, habe Brot und ein paar Sachen für fast 15 Euro gekauft und bin wieder hoch in den vierten Stock gestiegen. Am Nachmittag habe ich auf dem Balkon gesessen, obwohl es neblig war, und über meinen neuen Lebensabschnitt mit 21 nachgedacht. Kein Alkohol, kein Rauchen, einfach nur ich. Am Abend habe ich mich gefühlt, als hätte ich Platz geschaffen für etwas Neues, auch wenn ich noch nicht weiß, was. Lena hat mir zum Geburtstag nur ein kleines Geschenk gemacht und gesagt, wir reden morgen weiter. Ich bin single, wohne allein in der 2,5-Zimmer-Wohnung und arbeite als Lagerist in Travemünde. Heute war ein ruhiger, nachdenklicher Tag ohne große Aufregung.

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