Regen, Pakete und ein heimlicher Abend

Ich bin heute erst gegen halb zwölf aufgewacht, weil ich mal wieder die Nacht zum Tag gemacht habe. Draußen schüttete es in Strömen, 11 Grad, und ich lag erst mal noch eine Weile im Bett und dachte daran, wie schön es wäre, einfach liegen zu bleiben. Aber der Diensttausch mit dem Kollegen hatte geklappt, also musste ich raus. Ich zog meine dunkle Jeans, das graue Langarmshirt und die weißen Sneaker an, packte die Tasche und fuhr mit der Bahn zum Depot. Die Treppen im Haus knarrten wie immer.

Der Tag war typisch Kurier-Alltag: Pakete schleppen, Klingeln, kurze Gespräche an Türen, immer wieder zurück ins Auto oder auf die Bahn. Bei dem Regen wurde man richtig nass, und die Schuhe waren schnell durchgeweicht. Gegen halb sechs war ich endlich fertig, total fertig, aber auch irgendwie zufrieden, weil ich ein paar nette Kunden getroffen hatte. Auf dem Heimweg kaufte ich mir noch schnell ein paar Snacks und Fast Food für fast 15 Euro, weil ich einfach keine Lust hatte, selbst zu kochen.

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Zu Hause angekommen, war ich erst mal erleichtert. Ich duschte ausgiebig, rasierte mich überall glatt und spürte schon die Vorfreude. Heute wollte ich richtig als Franziska raus. Ich holte den Koffer unter dem Bett hervor, hinter den alten Kartons. Zuerst der hautfarbene Gaff-Slip, der alles schön flach drückte. Darüber der schwarze Spitzen-String, der sich so eng und weich anfühlte. Dann der Taillenformer, der meine Figur ein bisschen mehr in Form brachte. Den schwarzen Push-up-BH mit den Silikonformen Cup D darin – das Gewicht und die Rundung fühlten sich sofort richtig an. Dazu noch Nippel-Cover, damit nichts durchschimmert.

Ich schlüpfte in die schwarze 20-Den-Strumpfhose, die sich kühl und glatt über die Beine zog. Das schwarze A-Linien-Kleid, knielang, saß perfekt, weich und figurbetont. Die schwarzen Lack-Pumps mit 8 cm Absatz machten den Unterschied – jeder Schritt fühlte sich anders an, femininer, aufreizender. Die schwarze Langhaar-Perücke, schulterlang, saß gut nach ein paar Handgriffen. Make-up: Foundation gegen den Bartschatten, Concealer, Mascara, der matte rote Lippenstift. Ein paar silberne Ohrclips und das dünne Kettchen dazu. Als ich mich im Spiegel sah, erkannte ich mich kaum wieder – Franziska, nicht Friedrich. Es fühlte sich befreiend und ein bisschen verboten an.

Gegen neun ging ich raus. Die Handtasche über der Schulter, der Trenchcoat drüber, weil es noch regnete. Ich fuhr zur Lister Meile, setzte mich ins Café Glocksee, bestellte einen Tee und beobachtete die Leute. Niemand hat mich komisch angeschaut. Das gab mir so ein schönes, stolzes Gefühl. Später bin ich noch ein bisschen durch die Straßen geschlendert, die Pumps klackerten auf dem Pflaster, der Rock bewegte sich bei jedem Schritt. Es war aufregend, gesehen zu werden, ohne dass jemand ahnte, wer ich wirklich bin. Gegen Mitternacht wollte ich wieder zu Hause sein, alles langsam ausziehen, die Perücke putzen und alles wieder verstecken. Im Bett würde ich dann noch lange wach liegen und an den Abend denken – wie sich das alles anfühlen würde, wie frei ich mich fühlen würde. Morgen will ich vielleicht wieder ein bisschen Zeit als Franziska haben, aber jetzt erst mal schlafen.

– geschrieben am Samstagabend, Liebes Tagebuch, Samstag, der 10. Oktober

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💬 Bella fragt: Wie fühlst du dich, wenn du etwas Verbotenes tust, das dir gleichzeitig so viel Freiheit schenkt wie Franziskas Abend?

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