Zu viele Fehler, zu wenig Halt
Nachtrag zu gestern: Nachdem ich den Eintrag abgeschlossen hatte, kam noch eine kurze Nachricht von Markus. Er schrieb nur, dass er heute Abend nicht komme, zu viel Arbeit. Ich habe nicht geantwortet.
Heute Morgen bin ich mit dem üblichen Gefühl aufgewacht. Die Periode ist noch da, leichte Krämpfe im Unterleib. Ich habe einen Tampon gewechselt, dann die Kleidung angezogen, die ich immer fürs Büro trage. Der T-Shirt-BH in nude, der nahtlose Baumwoll-Slip weiß, die Feinstrumpfhose 20 Denier schwarz. Darüber die graue langärmelige Bluse aus Baumwolle, die schwarze Stoffhose mit Bügelfalte und die schwarzen Ballerinas flach. Die schlichte Uhr mit Lederband. Kein Make-up außer Concealer unter den Augen, kein Schmuck. Haare zum strengen Dutt gebunden.
Der Weg zur Arbeit war wie immer. Tram 3 von Körnerstraße bis Bahnhof Deutz. Leichter Nieselregen, ich hatte den Trenchcoat beige nicht angezogen, nur die Jacke nicht gebraucht. Im Büro habe ich mich an meinen Platz gesetzt und die Tabellen geöffnet. Schon nach einer Stunde habe ich zwei Summen falsch addiert. Eine Kollegin hat mich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt und weitergetippt. Die Zahlen verschwammen vor den Augen. Ich habe an Markus gedacht, an die leere Wohnung, an die Nacht ohne alles. Keine Session, kein Kontakt, nichts. Der Tag zog sich. Gegen Mittag habe ich noch einen Fehler in der Umsatzsteuer gefunden, den ich selbst verursacht hatte. Ich habe ihn still korrigiert und gehofft, dass niemand es bemerkt.
In der Mittagspause bin ich allein zum Bäcker um die Ecke gegangen und habe ein belegtes Brötchen gekauft. Fast zehn Euro für Brot und Kaffee. Zurück am Schreibtisch habe ich gestarrt. Die Finger haben sich nicht richtig bewegt. Ich habe mir gewünscht, einfach nach Hause zu gehen, aber das ging nicht. Die Kollegen haben Smalltalk gemacht, ich habe nur genickt und leise geantwortet. Sie halten mich ohnehin für schüchtern und langweilig. Gut so.
Nach der Arbeit bin ich mit der Tram zurück nach Ehrenfeld gefahren. Zu Hause habe ich die Bürokleidung ausgezogen und den grauen Baumwoll-Pyjama angezogen. Kein Collar, keine High Heels, nichts. Ich habe versucht, ein Buch zu lesen, aber die Worte wollten nicht bleiben. Ich habe nur herumgesessen, ein Feierabendbier getrunken, obwohl ich eigentlich keinen Appetit hatte. Die Wände sind dünn, ich habe die Nachbarin nebenan lachen hören. Ich habe leise geweint, ohne Grund, nur weil nichts passiert war. Kein Markus, keine Anweisung, keine Schmerzen, keine Erleichterung danach. Nur Leere.
Am Abend habe ich noch versucht, die Playlist für Sessions anzuhören, aber nach wenigen Minuten ausgeschaltet. Es hat alles noch schwerer gemacht. Ich habe mich hingelegt, die Decke über den Kopf gezogen und geweint, bis die Augen zugefallen sind. Morgen ist wieder ein Arbeitstag. Ich will nur überstehen.
Lena, Mittwoch, 7. Oktober 2026
