Lena – ich schreibe das nur hier

Die Tasten klicken leise in der leeren Wohnung. Draußen regnet es leicht auf die Ehrenfelder Straßen, und ich höre die junge Nachbarin durch die dünne Wand telefonieren. Ich bin 28, arbeite seit vier Jahren in der Buchhaltung eines Logistikbetriebs in Deutz und fahre jeden Morgen mit der Bahn dorthin. Niemand dort weiß mehr als nötig über mich. Ich antworte höflich, wenn etwas gefragt wird, halte Abstand und verschwinde wieder in meine Zahlen. Heute habe ich eine Spalte falsch addiert und musste die Tabelle zweimal neu machen, weil ich nicht bei der Sache war. Keiner hat etwas gesagt, aber ich habe gespürt, wie sie mich ansahen.
Zu Hause angekommen ziehe ich die graue Bluse und die Stoffhose aus, hänge beides ordentlich in den Schrank. Dann beginnt der andere Teil des Tages. Ich dusche lange, rasiere mich überall glatt, creme die Haut ein und stelle mir vor, wie Markus später prüfen wird, ob alles so ist, wie er es will. Der Collar liegt schon auf dem Bett. Wenn ich ihn umlege, verändert sich etwas in meinem Kopf. Die Stimme wird weicher, die Gedanken langsamer, der Körper wacher. Ich brauche das. Ohne die Abende mit ihm, ohne die Seile, ohne die Schläge und die strengen Regeln, werde ich tagsüber immer leerer. Gestern war nichts. Heute wieder nichts. Die Nacht war kurz, und die Tränen kamen, als ich endlich im Bett lag. Morgen wird es im Büro nicht besser werden.
Ich lese nachts gern dunkle Romane, suche mir neue Dessous in Onlineshops aus und lege Playlists an, die nur für Sessions gedacht sind. Markus kommt meist spät. Dann knie ich schon da, die High Heels an, das Make-up dunkel, die Lippen geschwollen vom Warten. Er entscheidet, wann ich atmen darf, wann ich kommen darf, wie lange ich stillhalten muss. Die Scham darüber, wie sehr ich das brauche, bleibt. Aber hier kann ich es aufschreiben, ohne zu lügen. Die Wohnung ist klein, der Aufzug alt, nach zehn muss ich leise sein. Trotzdem fühle ich mich sicherer, wenn er da ist und alles kontrolliert. Das ist mein Doppelleben. Tagsüber bin ich die, die niemand beachtet. Abends werde ich die, die nur er sieht.
