Kurieralltag und ein mutiger Abend als Franziska

Heute Morgen bin ich erst gegen halb elf aufgewacht, weil ich mal wieder die Nachteule rauskehren ließ. Das knarzende Treppenhaus im Altbau hat mich schon beim Aufstehen an die alten Dielen erinnert. Ich habe schnell geduscht, einen grauen Baumwoll-Slip und die dunkelblaue Jeans angezogen, dazu das weiße Basic-T-Shirt und die weißen Sneaker. Als Kurierdienstfahrer musste ich pünktlich los, auch wenn der Dienstag eher ruhig wirkte. Mit dem Fahrrad bin ich zum Kröpcke gefahren, wo ich die ersten Pakete für die Tour abgeholt habe.

Die Arbeit war typisch: hin und her durch die Innenstadt, Lieferungen bei Läden an der Lister Meile und um den Hauptbahnhof herum. Das Wetter war bedeckt und kühl, um die zwölf Grad, also hat mir die Jeansjacke gereicht. Gegen Mittag habe ich bei einem Bäcker in der Nähe schnell ein paar Brötchen und ein Stück Torte mitgenommen, für fast zwanzig Euro insgesamt. Zwischendurch habe ich an der roten Ampel gesessen und überlegt, wie es wäre, wenn die Leute wüssten, dass ich manchmal Franziska bin. Es kribbelte schon ein bisschen.

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Nach der Schicht bin ich gegen sechs wieder in der Wohnung gewesen. Das dritte OG hat mir heute richtig lang vorkommen. Ich habe die Wohnungstür abgeschlossen, den Koffer unter dem Bett hervorgeholt und mich entschieden, nicht nur zu Hause zu bleiben. Heute wollte ich raus als Franziska – zum ersten Mal so richtig öffentlich. Zuerst habe ich den hautfarbenen Gaff-Slip angezogen, der alles schön flach drückt, dann den schwarzen Spitzen-String darüber. Die Silikonbrustformen Cup D in den passenden schwarzen BH mit Bügel geschoben, der richtig sitzt und die Form gibt. Dazu den schwarzen Taillenformer, der alles ein bisschen enger zieht. Es fühlte sich eng und aufregend an, wie immer.

Als Nächstes kam die schwarze 20-Den-Strumpfhose, matt und glänzend zugleich, die sich so glatt über die Beine zieht. Darüber den schwarzen A-Linien-Rock, der knielang ist, aber bei jedem Schritt ein bisschen schwingt. Die weiße langärmelige Bluse aus Baumwolle, die ich vorne ein bisschen offener gelassen habe. An den Füßen die schwarzen Pumps mit acht Zentimeter Absatz – die Lackpumps, die ich schon länger habe. Sie drücken ein bisschen nach einer Stunde, aber das Gefühl, höher zu stehen, ist einfach unschlagbar. Die schwarze Langhaar-Perücke, schulterlang und hitzebeständig, habe ich sorgfältig aufgesetzt und mit Nadeln fixiert. Make-up: erst Foundation gegen den Bartschatten, dann Concealer, Mascara und den roten matten Lippenstift. Die künstlichen Wimpern haben den Look noch weicher gemacht. Zum Schluss der dünne Silberring und die silbernen Ohrclips. Der Handspiegel hat mir gezeigt, dass ich wirklich nicht als Mann durchgehe – ich sah aus wie eine ganz normale junge Frau.

Gegen halb acht bin ich los. Mit der Handtasche über der Schulter bin ich zum Kröpcke gelaufen und habe mich in ein Café gesetzt. Niemand hat zweimal hingesehen. Es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Nervosität zugleich. Ich habe einen Tee getrunken, dabei zugesehen, wie die Leute vorbeilaufen, und gedacht, dass das mein kleines Geheimnis ist. Später bin ich noch ein Stück die Lister Meile entlanggeschlendert, die Absätze haben leise auf dem Pflaster geklickt. Gegen zehn bin ich zurück in der Wohnung gewesen, habe alles wieder in den Koffer gepackt und mich in den grauen Baumwoll-Pyjama geworfen. Jetzt liege ich im Bett, etwas müde, aber zufrieden. Der Tag war lang, aber dieser Abend hat ihn besonders gemacht.

– geschrieben am Dienstagabend, Liebes Tagebuch, Dienstag, der 6. Oktober

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💬 Bella fragt: Wie hast du dich gefühlt, als du zum ersten Mal so richtig öffentlich als Franziska unterwegs warst?

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