Reiseleiterin mit dem gewissen Etwas
Ja, klar – die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende. Hier kommt das abschließende Kapitel.
Kapitel 8
Drei Wochen später. München, Anfang November. Der erste richtige Herbstregen prasselte gegen die Fenster meiner kleinen Wohnung in Schwabing.
Ich stand vor dem großen Spiegel im Flur – der, den ich mir extra gekauft hatte, nachdem die Tour zu Ende war.
Kein Rock. Keine Perücke. Kein Make-up. Nur Jeans, ein graues Sweatshirt und meine normalen Haare, die mir inzwischen wieder bis über die Schultern gingen.
Aber daneben, auf dem Stuhl, lag sorgfältig gefaltet der dunkelblaue Jersey-Rock. Die hellgraue Bluse hing im Schrank. Die Sandaletten standen im Flur. Und in der Schublade wartete die Perücke – in ihrer Schutztasche.
Ich hatte sie nicht weggepackt.
Das Handy vibrierte. Eine Nachricht in der WhatsApp-Gruppe „Alpen-Crew“.
Lena: Nächste Saison: Dolomiten-Klassiker, 14 Tage, Start 15. Juni. Wer ist dabei?
Sophie: Ich! Und du, Alex?
Paolo: Fahrer schon gebucht. Brauchen nur noch die beste Reiseleiterin. 😏
Ich starrte auf die Nachricht. Mein Daumen schwebte über der Tastatur.
Dann tippte ich.
Ich: Bin dabei.
Ich: Als Alexandra.
Sofort kamen die Reaktionen.
Lena: YESSSSS!!!
Sophie: Wusste ich’s!!!
Paolo: Perfekt. Freu mich drauf.
Ich legte das Handy weg und schaute wieder in den Spiegel.
Alex schaute zurück.
Aber diesmal war da kein Zwiespalt mehr.
Ich lächelte – und es war dasselbe Lächeln, das Alexandra in den Dolomiten gehabt hatte.
Später am Abend zog ich den Rock an. Nur so. Nur für mich. Kein Make-up, keine Perücke. Nur der Stoff auf der Haut und das leise Rascheln beim Gehen.
Ich setzte mich ans Fenster, schaute in den Regen und dachte an die Gruppe. An Frau Huber. An die Kinder. An die Edelweiß-Anstecknadel, die jetzt an meiner Jacke steckte.
Und ich dachte an die nächste Tour.
Alex würde den Bus fahren und die Organisation machen.
Alexandra würde die Mikrofon-Rede halten, die Getränke servieren, die Geschichten erzählen und die Menschen zum Lachen bringen.
Beides.
Zusammen.
Und das fühlte sich nicht wie eine Verkleidung an.
Es fühlte sich wie nach Hause kommen an.
