Friedrich – Vorstellung

Nachts, wenn die Treppen knarren – ich bin Friedrich

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Friedrich
Friedrich

Die Stufen knarren immer noch wie alte Knochen, wenn ich nach der letzten Tour die drei Stockwerke hochschleiche, um halb drei Uhr morgens, und mein Schlüssel kratzt zu laut im Schloss der Altbauwohnung am Rand von Hannover. Der Helm liegt neben der Tür, der Lieferrucksack stinkt nach Currywurst und Cola, und ich, Friedrich, achtzehn, kurviger als die meisten Jungs meines Alters, fühle mich plötzlich zu eng in meiner Haut. Draußen ist alles still, nur der Wind zieht durch die Höfe, und ich weiß schon, was gleich passiert: die Jacke fällt, die Jeans rutscht runter, und aus dem Chaos auf dem Boden greife ich nach dem, was mich wirklich atmen lässt.

Es ist dieses Kribbeln, wenn der schwarze Microfaser-String über meine Hüften gleitet und die 40-Den-Strumpfhose sich wie eine zweite, glatte Haut anfühlt – warm, eng, ein bisschen verboten. Ich ziehe den A-Linien-Rock an, der knapp über dem Knie endet, suche die hohen Absätze, die mein Gang verändern, und spüre, wie die Polster unter dem Push-up-BH meinen Körper weicher, weiblicher machen. Franziska. Niemand auf der Straße, der mich als Frau sieht, ahnt etwas von dem blonden, 20 Zentimeter langen Haar oder den 98 Kilo darunter; sie lächeln nur, manchmal sogar flirten sie. Das ist mein Geheimnis, das nur die Szene kennt, nicht die Familie. Ab und zu bleibe ich stehen, esse eine Handvoll Gummibärchen aus der Tasche und genieße die Freiheit, allein unterwegs zu sein, ohne dass jemand fragt, warum der Kurierfahrer plötzlich Röcke trägt.

Single bin ich, und das passt gerade. Keine Beziehung, nur diese heimlichen Abende, bei denen ich mir vorstelle, wie jemand die Hand auf meinen Oberschenkel legt, während der Rock hochrutscht – nichts weiter, nur die Ahnung von Berührung. Tagsüber fahre ich durch die Stadt, nachts bin ich die andere Version von mir selbst, chaotisch wie meine Wohnung, naschend und wach, während alle anderen schlafen. Ich schreibe jetzt hier, weil ich nicht will, dass dieses Doppelleben in meinem Kopf verschwimmt; weil die Treppen knarren, aber meine Schritte in Absätzen leiser und sicherer werden. Weil ich wissen will, wie lange ich noch so leben kann, zwischen Lieferaufträgen und dem leisen Schwung eines Rocks.

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💬 Bella fragt: Wie lange würdest du dein Doppelleben noch für dich behalten?

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